Geburtsvorbereitungskurs – ja oder nein?

Mamatime Blogbeitrag - Geburtsvorbereitungskurs, ja oder nein?

Brauche ich einen Geburtsvorbereitungskurs? Auch dann, wenn ich bereits Kinder habe? Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Kurs? Worauf muss ich achten, gibt es da Unterschiede? Diese und viele andere Fragen beschäftigen Schwangere meist je weiter der Schwangerschaftsverlauf voranschreitet.

In diesem Blogbeitrag möchte ich gern neben einigen allgemeinen Informationen und Tipps, auch meine persönliche Erfahrung mit Dir teilen, um Dir unter Umständen die Entscheidung zu vereinfachen.

Was bringt Dir ein Geburtsvorbereitungskurs?

Die Schwangerschaft ist eine aufregende und sehr gefühlvolle Zeit, die aber oft mit Verunsicherungen und Ängsten einhergeht. Vor allem, wenn Du zum ersten Mal Mutter wirst. Du machst Dir oft viele unnötigen, aber auch notwendigen Sorgen und versuchst Antworten darauf zu finden. Und gerade den Erstgebärenden würde ich ein Geburtsvorbereitungskurs sehr ans Herz legen.

Nun, man kann natürlich sagen, ich finde heutzutage alles im WWW, jede Antwort auf meine Fragen. Und dem würde ich auch zustimmen. Nur meine Erfahrung zeigt, dass man im Internet vielmehr verunsichert wird. Zudem fällt es einem immer schwieriger kompetente und verlässliche Informationen von pauschalen Aussagen mit halben Wahrheiten zu unterscheiden, was Dich im Endeffekt mehr verunsichert als aufklärt. Daher würde ich in der ersten Schwangerschaft ganz klar den Kurs empfehlen. Es hilft mit kompetentem Fachpersonal, aber auch mit anderen werdenden Mütter sich in einer gemütlichen Runde zu unterhalten, Erfahrungen auszutauschen und sämtliche Fragen zu klären.

Welche Inhalte erwarten Dich im Geburtsvorbereitungskurs?

Folgende Inhalte sollen fester Bestandteil eines solchen Kurses sein:

  • Allgemeine Entspannungstechniken,
  • Atemübungen,
  • Wie setzt Du den Beckenboden unter der Geburt richtig ein. Dazu gehören Spannungs- als auch Entspannungsübungen,
  • Massageübungen,

Unter anderem auch Informationen zu:

  • Klinikaufenthalt,
  • Geburtsvorbereitung,
  • Möglichen Geburtspositionen,
  • Schwangerschaftsbeschwerden,
  • Klärung offener Fragen zum Mutterpass,
  • Säuglingspflege u.a.

Meine Erfahrung zeigt leider, dass das Thema “Beckenboden in der Schwangerschaft” kein fester Bestandteil des Programms ist, was ich persönlich sehr schade finde und wie ich leider hinterher feststellen musste wie wichtig doch das Thema ist. Vor allem für die Geburt. Wenn eine Schwangere richtige Techniken zum Entspannen und Spannen des Beckenbodens unter der Geburt beherrscht, kann sie sich die eigentliche Geburt um einiges erleichtern, wie auch ggf. Komplikationen wie Hämorrhoiden, Risse usw. ersparen oder zumindest die Risiken minimieren.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Anmeldung und den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses?

Prinzipiell kann ein Geburtsvorbereitungskurs jederzeit während im Laufe der Schwangerschaft besucht werden. Meistens bietet sich das 3. Trimester, ca. ab der 28. Schwangerschaftswoche an, weil Du dann bereits die Bewegungen Deines Kindes wahrnimmst. Vielleicht nimmst Du aber auch schon erste Übungswehen während des Kurses wahr. So kannst Du gezielte Fragen stellen und lernen wie man sich auf die Geburt vorbereitet.

Das Kursende sollte jedoch auch nicht zu spät erfolgen. Empfohlen  wird diesen drei bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abzuschließen.

Da die Kurse sehr beliebt sind, solltest Du nicht lange mit der Anmeldung zögern und Dir spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche einen Platz sichern.

Worauf Du bei der Wahl eines Geburtsvorbereitungskurses achten solltest?

Wichtige Kriterien bei der Wahl eines guten Geburtsvorbereitungskurses:

  • Ein guter Geburtsvorbereitungskurs bereitet Dich sowohl körperlich, als auch mental auf die bevorstehende Geburt vor. Daher ist eine Kombination aus Fachinformationen und körperlicher Vorbereitung ideal.
  • Ebenso wichtig ist die Vorbereitung auf das Eltern-Sein.
  • Wichtig ist auch den Schwangeren genügend Raum für die Klärung offener Fragen zu geben, aber auch die Gelegenheit sich untereinander, mit anderen Schwangeren in der Gruppe auszutauschen. Also eine lockere und ungezwungene Atmosphäre.
  • Um genügend Raum für Diskussionen bieten zu können darf die Gruppe nicht zu groß sein. Daher achte darauf, dass zwischen 8 und 12 Personen maximal aufgenommen werden. Ansonsten kann meiner Meinung nach keine optimale Betreuung gewährleistet werden und eigene Bedürfnisse bleiben womöglich auf der Strecke.
  • Wichtig ist auch zu hinterfragen wie aktuell die gebotenen Inhalte eigentlich sind. Ob die Hebamme Fortbildungen nach dem aktuellen Kenntnisstand absolviert hat oder immer noch der gleiche Inhalt wie vor 30 Jahren ermittelt wird. Ich finde die Frage nach der Qualität und der Aktualität der vermittelten Informationen ist mitunter der Wichtigste, zumindest für mich.

Wo findest Du einen Kurs?

Geburtsvorbereitungskurse werden heutzutage von verschiedenen Anstalten angeboten. Dazu zählen:

  • Hebammen,
  • Frauenarztpraxen beschäftigen auch oft Hebammen für die Betreuung, hier nachzufragen lohnt sich in ,jeden Fall,
  • Geburtshäuser, aber auch Krankenhäuser, sofern sie eine Geburtsstation haben,
  • Gesundheitszentren für Frauen,
  • Familienbildungsstätten.

Meine Erfahrungen mit dem Geburtsvorbereitungskurs

In meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich zunächst mal selbst im Internet über verschiedene Themen informiert. Je mehr ich recherchiert habe, desto mehr wurde ich durch widersprüchliche Angaben und Informationen verunsichert. Aus diesem Grund habe ich mich für einen Geburtsvorbereitungskurs entschieden, um mir das komprimierte Wissen direkt vom Fachpersonal zu holen.

Die wichtigsten Fragen rund um die Geburt konnten schnell und kompetent geklärt werden. Es war eine sehr informative Veranstaltung, vor allem für diejenigen, die zum ersten Mal Eltern werden. Wir haben den Geburtsvorbereitungskurs zusammen mit meinem Mann besucht und wurden gut aufgeklärt.

Der Kurs hatte eine Länge von 7 Einheiten á 2 Stunden. Die Kurslänge empfanden wir jedoch beide als etwas lang. Ich denke mit einem Wochenend-Crash-Kurs wären wir auch gut bedient. Fachinformationen sind ein wichtiger Bestandteil des Kurses, allerdings kamen mir die körperlichen Übungen, Entspannungstechniken eher kurz vor. Unter der Geburt muss die Frau die anstrengende körperliche Arbeit leisten, daher hätte ich mir Anweisungen für Atemübungen und Beckenbodentraining gewünscht.

Der zweite etwas störende Punkt für uns war die Information über Intimitäten der Frau (wie Wochenfluss, Komplikationen, Risse unter der Geburt usw.). Als Frau brauche ich dieses Wissen, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Allerdings könnte diese Information für einen Mann ZU VIEL sein. Den Mann als Unterstützung bei der Geburt zu haben ist toll, aber mein Mann muss nicht unbedingt in alle Details eingeweiht werden. Schließlich soll er wenigstens klaren Kopf bewahren und mich seelisch nach der Geburt unterstützen, falls notwendig ;).

Es gibt aber durchaus Männer, die das gern wissen wollen. Daher möchte ich an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass im Kurs über alle Intimthemen der Frau offen gesprochen wird. Daher seid offen und ehrlich bei der Entscheidung, ob es ein Geburtsvorbereitungskurs nur für die Frau oder für Paare sein soll.

Alternative oder ergänzende Kursangebote für Schwangere

Der Geburtsvorbereitungskurs bietet zwar umfassende Informationen, ist jedoch zeitlich dennoch begrenzt. Daher gibt es alternative Möglichkeiten, sich und seinen Körper auf die Geburt vorzubereiten. Das ist der Punkt, den ich unter meinen Erfahrungen angesprochen habe. Ich wünschte mir mehr praktische bzw. körperliche Übungen.

Dafür gibt es unterschiedliche, aber spezielle Fitnessangebote für Schwangere. Sehr verbreitet ist die Schwangerschaftsgymnastik, darunter auch Yoga- und Pilates-Kurse für Schwangere oder Wassergymnastik. Vor allem in den letzten paar Wochen vor der Geburt, wenn der Baby-Bauch schon sehr groß ist, kann Sport im Wasser sehr wohltuend sein. Wobei ich sportliche Aktivitäten im Wasser eher mit Entspannungsübungen verbinde. Diese sind wirklich wohltuend, da sie zur Entlastung die Gelenke, Bandscheiben und der gesamten Rückenmuskulatur durch den natürlichen Auftrieb im Wasser beitragen. Dadurch fallen Dir die Übungen auch deutlich leichter, als auf dem Land wo Du auch das Gewicht des Babys noch zusätzlich zu Deinem zu berücksichtigen hast.

Brauchst Du einen Geburtsvorbereitungskurs bei weiteren Kindern?

Diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten und bleibt in der Tat Deine eigene Entscheidung, die meist auch situationsbedingt beantwortet werden kann. Aus meiner Erfahrung kann ich nur empfehlen sich selbst zu fragen, ob Du Dich zum aktuellen Zeitpunkt gut genug aufgeklärt fühlst oder, ob noch Sorgen bzw. ungeklärte Fragen da sind, die im Rahmen eines solchen Kurses eine Klärung benötigen.

Wenn Du Dich gut vorbereitet für die Geburt fühlst, Dich aber nur ein paar kleinere Fragen beschäftigen, dann gibt es alternativ die Möglichkeit einfach Deine betreuende Hebamme während der Schwangerschaft zu fragen. So sparst Du Zeit für einen Kurs und bist trotzdem gut bedient. Neben der Hebamme ist Dein betreuender Frauenarzt sicherlich auch ein guter Ansprechpartner bei Ängsten und Unsicherheiten.

In meiner zweiten Schwangerschaft habe ich mich gegen einen weiteren Geburtsvorbereitungskurs entschieden. Ich hatte keine offenen Fragen und die Ängste und Unsicherheiten aus der ersten Schwangerschaften haben sich mittlerweile, aufgrund der gesammelten Erfahrung mit der Geburt und dem ersten Kind, von selbst geklärt.

Wie auch immer Deine Entscheidung ausfällt, lasse Dich durch andere Meinungen nicht beeinflussen. Gehe in Dich und frage Dich selbst wie Dein aktueller Gemütszustand ist. Welche Fragen Dich beschäftigen und welche Lösung Du brauchst. die Entscheidung liegt ganz bei Dir und ich wünsche Dir an dieser Stelle alles Gute :)!

Mamatime Blog Norderstedt